Schwere depressive Episode

Mitte 2019 hat es mich so richtig aus den Latschen gehauen. Plötzlich war ich zum zweiten Mal gescheitert. Vielleicht war das auch nur meine persönliche Sicht. Jedenfalls wurde mir zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gekündigt. Der Antrieb etwas zu machen war noch geringer als vorher. So stark hatte ich die Gefühlskälte noch nie wahr genommen. So unglaublich schlecht habe ich mich noch nie wahrgenommen. Dunkelheit, eine schwere Decke lag auf mir (symbolisch gesehen), außer zum Spielen der aller einfachsten Spiele am PC war ich nicht fähig irgendetwas konstruktives auf die Reihe zu bekommen.

Wenn man wie ich eine Depression schon mal erlebt hat, dann weiß man, wann es alleine nicht weiter geht. Sich in solch einer Situation an fremde Menschen zu wenden war für mich nicht möglich, also habe ich mich schließlich dazu durchgerungen eine Psychologin anzuschreiben, die mir als leitende Psychologin der Tagesklinik schon mal geholfen hat. Das war die beste Idee, die ich haben konnte. Weil sie mich kennt, antwortete sie mir, dass in der Tagesklinik vor Ort derzeit kein Platz frei - Im Gegenteil: ich müßte mit einer Wartezeit von bis zu drei Monaten rechnen. Wenn es sehr schlimm wäre, solle ich mich an die Tagesklinik in Hamburg wenden, Da käme ich schneller dran.

Ich hatte echt Glück im Unglück, wenn man das mal so sagen möchte: Knapp zwei Wochen später hatte ich ein Erstgespräch in der Tagesklinik in Hamburg. Bereits in diesem Erstgespräch stellte die Ärztin, die mit mir das Gespräch führte, fest, dass ich an einer schweren Episode leide. Man wolle mich schnellstmöglich aufnehmen. Nachgeschaut und die nächste gute Nachricht lautete: in zwei Wochen kommen Sie bitte um 8:00 Uhr hier her zur Aufnahme.

Insgesamt war ich von den empfohlenen sechs dann doch nur vier Wochen in der Tagesklinik in Hamburg. Vieles von dem, was den Patienten dort vermittelt wird, kenne ich aus meiner eigenen Erfahrung.Und Grundlagen ála "Was ist eine Depression?" hatte ich durch eigene Erfahrung und meine berufliche Tätigkeit als Genesungsbegleiter längst beantwortet. Ich erwischte mich dabei, dass ich den beiden jungen Psychologinnen, die uns was über Depressionen erzählen wollten, das Heft aus der Hand nehmen wollte. Es wurde zwar immer wieder betont, we wichtig unsere Erfahrungen seien, doch wurden sie in keinem Moment genutzt um die Mitpatienten an dieser teils einmaligen Erfahrung teilhaben zu lassen. Gerade im Gegenteil wurde sehr stark - für meinen Geschmack zu stark - darauf geachtet, dass man nicht zu viel erzählte. Es könnte ja bei den Anderen etwas auslösen. - So wie ich meine Mitpatienten erlebt habe, hätten die das besser vertragen, als es vermutet wurde.

Und der Film "Mein schwarzer Hund" ist wirklich gut um jemandem zu erklären, was eine Depression ist. Aber diesen Film zum gefühlt tausendsten Mal ansehen zu müssen - das gleicht Folter.

Und auch hier war ich wieder der Genesungsbegleiter und durfte dem Einen oder der Anderen mit Zuhören und meinen  Fähigkeiten eine Begleitung auf Zeit sein. Wer das wie ich als "Lebensaufgabe" sieht, Genesungsbegleiter zu sein, der kann das auch als Patient nicht wirklich abstreifen.

Mein Glück hielt auch noch nach der Tagesklinik an und so fand ich sehr schnell einen Therapieplatz bei einem sehr guten Psychologen in eigener Praxis. Mittlerweile haben wir uns gut zusammen gefunden. Auch kleine private Dinge am Rande sind zum Ende der Gespräche drin. Auch ein Psychologe hat Fragen - die ich ihm beantworten konnte. Wozu bin ich schließlich EDV-Fachmann gewesen. Auch in Sachen der Psyche sind wir meinem Eindruck nach gut voran gekommen.


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