Artikel im Buch "Burnout 6.0"

Im Jahre 2011 machte ich meine ersten Erfahrungen damit mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Dabei half mir Lothar H. Buchenau der mich dazu ermunterte auch meine Geschichte in dem Buch veröffentlichen zu dürfen. Hier ist ein Auszug aus dem Artikel in dem Buch "Burnout 6.0"

Aus Dir wird mal ein Straßenfeger

„Das wird doch nichts, was Du da tust!" oder „Aus Dir wird ein Straßenfeger, wenn Du so weitermachst!" - diese Sätze gehörten in meiner Kindheit zum Standard-Repertoire der Mitteilungen meiner Mutter an mich. Als ich zwei Jahre alt war, trennten sich meine Eltem. Meine Mutter vermittelte mir immer wieder, dass sie mich nicht mochte. Für sie war ich meinem Vater, auf den sie wegen der Trennung wütend war, viel zu ähnlich, der Satz: „Du gleichst Deinem Vater immer mehr!” war bei ihr nicht positiv gemeint. Für meine Mutter war ich nie gut genug.

Die Überbelastung, die zu meinem Burnout führte, hat sich schleichend über Jahre entwickelt. Heute weiß ich, dass auch diese Kíndheítserlebnísse dazu beigetragen haben.

Auf der einen Seite abgewertet, wurde ich gleichzeitig immer mehr zu einem Ersatz-Ansprechpartner anstelle des Vaters. So war ich derjenige, dem meine Mutter alles erzählte und bei dem sie sich ausheulte. Natürlich musste sie arbeiten gehen, was bedeutete, dass ich bereits mit acht Jahren nach der Schule alleine zu Hause war. Schlagartig hatte ich die Verantwortung für mein Leben. Welche Auswirkungen es haben würde, wenn ich meine Hausaufgaben nicht machte und nicht lernte, das konnte ich damals noch nicht überblicken. Auf mich allein gestellt, war ich dafür noch viel zu jung.

Suche nach Anerkennung

Durch den Wunsch nach Anerkennung wurde sehr früh ein großer Ehrgeiz in mir entfacht. Ich musste immer besser sein als die anderen. Bei meiner Mutter wollte ich endlich Anerkennung finden, gelobt und geliebt werden - einfach weil ich da bin. Zeitlebens konnte mir meine Mutter das nicht geben. Sie wusste es nicht besser, weil sie es selber auch nicht anders erlebt hatte. Bis zu meinem Burnout und noch Monate danach kämpfte ich um Anerkennung. Schon immer machte ich mehr als andere, um aufzufallen, um Wertschätzung zu erfahren. Wenn nicht von meiner Mutter, dann wenigstens von meinem Chef, meiner Frau, meinen Freunden...

Belastungen

Seitdem meine Frau erkrankte, bin ich Alleinverdiener und für die Familie verantwortlich. Kurz vor dem totalen Zusammenbruch trieb ich es auf die Spitze. Auf der Arbeitsstelle war ich stark eingebunden. Wir hatten Niederlassungen eines aufgekauften Unternehmens in das Firmennetzwerk einzubinden. Dadurch war ich viel unterwegs und hatte plötzlich eine Leitungsfunktion für ein kleines Team. Zusätzlich bereiteten wir den Umzug unserer Niederlassung mit einhundertundfünfzig Mitarbeitern vor. Einen Teil des Umzuges musste ich alleine managen. Zwei Jahre zuvor hatte ich einen theologischen Grundkurs begonnen. Das Bibelstudium war für mich eine Kraftquelle, in die ich mehr Zeit investieren wollte. Neben den Wochenend-Seminaren, die alle zwei Monate stattfanden, gehörten regelmäßige „Hausaufgaben” zum Pensum.

Mein Misstrauen machte mich misstrauisch

Dann kam der Sommer vor vier Jahren (Anmerkung Autor: 2007). Anfangs wusste ich nicht, was mit mir los war. So spürte ich nur, dass ich völlig erschöpft war, mich zu nichts mehr aufraffen konnte. Selbst ein Urlaub in Schweden brachte keine Erholung. Als eigentlich begeisterter Flohmarktgänger hatte ich nicht einmal dazu Lust. Jeden, der auf mich zukam und mir die Hand zur Begrüßung reichen wollte, betrachtete ich mit Argwohn. Der wollte mich nicht
nur begrüßen. Der wollte wieder irgendetwas von mir erledigt haben. Dass ich dabei meine Freunde vor den Kopf und von mir fort stieß, hat mich damals am meisten selbst verletzt. So etwas wollte ich nicht tun. Und doch geschah es immer wieder. Die Suche nach der Ursache dieses Verhaltens trieb mich schließlich dazu an, im Internet nachzuforschen. So sollte es nicht weiter gehen. Vielleicht war da jemand, dem es genauso ging, der mir helfen konnte. Lange suchen musste ich nicht. Rasch stieß ich auf das Thema Burnout. Auf den entsprechenden Internetseiten machte ich Tests. Diese belasteten mich sehr und ich hatte sie am liebsten abgebrochen. Doch ich wollte endlich wissen, was
mit mir los war.

Diagnose Bunıout

Da stand es dann: „Sie leiden wahrscheinlich unter einem Burn-out. Gehen Sie zu einem Arzt und lassen Sie sich helfen." Zunächst suchte und fand ich eine Selbsthilfegruppe. Doch leider gab es keine Treffen. Die Betroffenen waren anscheinend selbst so gelähmt, dass sie sich dazu nicht aufraffen konnten. Es gelang mir auch nicht, zu einem der Mitglieder Kontakt herzustellen. So dachte ich, wenn dies typische Auswirkungen des Burnout sind, dann muss ich rechtzeitig etwas dagegen tun, mir kompetente Hilfe suchen.

Diese fand ich bei meinem Hausarzt, der die Diagnose bestätigte und mit mir einen Antrag auf eine Rehabilitation stellte. Wie befürchtet kam zunächst eine Ablehnung, doch mit einem Einspruch und dem Bericht eines Neurologen ging dann alles seinen Weg. Über sechs Wochen war ich in einer Klinik. Dort habe ich mich sehr gut erholt und wieder gelernt, das Leben zu genießen. Durch Gespräche mit Mitpatienten und Psychologen war ich motiviert,
auch zuhause eine Therapie zu machen.

Hilfe und Selbsterkenntnis

Eine kleine Episode zum Ende meines Klinikaufenthaltes öffnete mir die Augen. Vor dem Verlassen der Klinik machte ich meinem Ärger über das eintönige Essen bei meinem Oberarzt mal richtig Luft. Dieser entgegnete mir: „Ich spüre Ihre große Wut. Diese ist jedoch nicht gegen das Essen gerichtet." Heute bin ich diesem Arzt sehr dankbar, denn er hat mit dieser Bemerkung ins Schwarze getroffen.

Lange Jahre war ich aufgrund meiner eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeiten verärgert, ja geradezu wütend auf mich selbst - und dadurch auch unzufrieden mit meinem Umfeld. Die Wut rührte aus meinem ewigen Kampf um Anerkennung und Liebe. Das verstand ich erst später in der Therapie. Typisch für viele Burnout-Kandidaten: Sie fühlen sich nicht gut genug und kämpfen um Anerkennung, die ihnen scheinbar niemand gibt. Auch wenn
mir das heute sehr klar ist, wird es noch dauern, bis ich es wirklich verinnerlicht und die nötigen Konsequenzen daraus gezogen habe.

Schmerzhafter Lernprozess

Meiner Erfahrung nach ist niemand vor einem Burnout gefeit. Es kann jeden treffen. Und wer einmal darin war, der muss sehr aufpassen, dass es ihn nicht wieder erwischt. Um das zu begreifen, habe ich habe drei Jahre meines Lebens und einen Herzinfarkt „benötigt". Diesen erlitt ich, weil ich es nicht geschafft hatte, mein Leben zu ändern. Der Herzinfarkt hat mir dann umso deutlicher gezeigt, wie ernst Burnout und wie wichtig Gesundheit ist. Und
bin noch lange nicht davor gewappnet, wieder einen Burnout zu erleiden.

Mir hilft ein Gebet:

Lieber Gott, schenke mir die Geduld, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Schenke mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und schenke mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Das ist ein sehr zentrales Thema: (Nicht nur) als Ausgebrannter will ich oft die Welt andern und zerbreche an Zuständen, die ich nicht ändern kann. Akzeptieren, was nicht zu ändern ist und anpacken, wo etwas zu ändern geht, ist die bessere Alternative. Dazu gehört für mich auch die Einstellung: Ich bin gut, so wie ich bin.
 
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Burnout 6 0

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